BELLA VOCE

Auf diesem Album, ihrer ersten Soloaufnahme, widmet Anja Harteros sich vor allem Mozart. Die drei Konzertarien könnten dem Stil nach aus einer Oper stammen, sind aber in keinen Kontext eingebunden. Jede stellt ein dramatisches Porträt dar, und jede ist ein Drahtseilakt zwischen Bravura-Gesang und emotionaler Kommunikation. Jede kontrastiert ein informelles Rezitativ mit einer formalen Melodie, und jede stellt komplexe technische Anforderungen. Der Text von „Misera! dove son? ... Ah! non son io che parlo“, geschrieben 1781, stammt aus der Passage in Pietro Metastasios Ezio, in der Fulvia um ihren verlorenen Gemahl trauert. Im Vergleich dazu ist „Vado, ma dove?“ von 1789, nach einem Text, der gemeinhin Lorenzo da Ponte zugeschrieben wird, konzentrierter und zurückhaltender. Die Nummer diente als Einschub in Martín y Solers Il burbero di buon core. Bei „Ah, lo previdi! - Ah, t’invola agl’occhi miei“, geschrieben 1777, handelt es sich um eine ergreifende Episode aus Andromeda nach einem Text von Vittorio Amedeo Cigna-Santi (der höchstwahrscheinlich bereits von Giovanni Paisiello vertont worden war). Auch die Opernauszüge zeugen von Anja Harteros’ Vorliebe für Mozart. „Porgi amor“ ist die nostalgische Arie, mit der die Gräfin in Le nozze di Figaro vorgestellt wird und diejenige, mit der sich Anja Harteros in New York vorstellte. „Come scoglio“ und „Per pietà“ vermitteln die höchst unterschiedlichen Stimmungen Fiordiligis in Così fan tutte, zuerst stolz und aggressiv, dann versunken und nachdenklich. „D’Oreste e d’Ajace“ aus Idomeneo ist die atemberaubende scena - im wahrsten Sinne des Wortes eine wahnsinnige Szene, in der Elettra ihrer tödlichen Wut Ausdruck verleiht. Haydns ergreifende Kantate „Berenice, che fai?“ von 1795 folgt einem Text aus Metastasios Antigono. Sie besticht durch verblüffende Modulationen in den Rezitativen und durch Prächtigkeit in zwei großartig orchestrierten Arien in gegensätzlichen Tonarten (E-Dur und f-Moll).


Tracklisting & Hörprobe